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BeyondX 29.01.2025

Brustkrebs und Fruchtbarkeit - Teil 2

Wie wirken die einzelnen Therapien auf meine Fruchtbarkeit?

Wenn es darum geht, welche Auswirkung die jeweilige Therapie auf die Fruchtbarkeit hat, müssen wir uns kurz mit den Therapieformen beschäftigen. Grundsätzlich gibt es lokale und systemische Therapien. Lokale Therapien wirken „vor Ort“, also nur an der Stelle, wo der Krebs sitzt. Systemische Therapien dagegen wirken im ganzen Körper. Das erkläre ich jetzt nochmal kurz etwas genauer.

Lokale Therapien

Hierunter fallen die operative Tumorentfernung und die Strahlentherapie (Radiatio). Weder die Entfernung des Tumors allein, noch die Entfernung von umliegenden Lymphknoten oder auch der gesamten Brust beeinträchtigen die Fruchtbarkeit.

Bei der Strahlentherapie wird nur das Tumorgewebe gezielt bestrahlt, um die Krebszellen zu zerstören. Da die Bestrahlung nur auf den Tumor gerichtet wird, beeinflusst auch eine Bestrahlung der Brust oder/und des Brustkorbs und/oder Achselregion die Fruchtbarkeit nicht.1

Systemische Therapien

Chemo- und Antikörpertherapien, sowie antihormonelle Behandlungen zählen zu den systemischen Therapien. Systemisch bedeutet, dass sich die Wirkstoffe über die Blutbahn im ganzen Körper verteilen. Systemische Therapien können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, weil sich der Wirkstoff im gesamten Körper verteilt, also auch in die Eierstöcke (oder bei Männern die Hoden).

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika eingesetzt. Zytostatika sind Medikamente, die die Zellteilung unterbrechen und so die Vermehrung von Krebszellen stoppen sollen. Zytostatika wirken besonders stark auf Zellen, die sich häufig und schnell teilen. Das ist bei Tumorzellen der Fall, aber leider auch bei anderen wichtigen Zellen, z. B. dem blutbildenden Knochenmark, den Schleimhäuten oder auch Haarwurzeln. Dadurch kommt es dann auch zu Nebenwirkungen, wie Blutarmut oder Haarausfall. [1] Auch die Gebärmutter und die Eierstöcke können durch Zytostatika „angegriffen“ werden. Bestimmte Wirkstoffgruppen, die in der Brustkrebstherapie eingesetzt werden, können Eizellen und Follikel direkt schädigen, wodurch sie absterben (z. B. Taxane, Anthracycline und Alkylanzien).1 Eine Chemotherapie kann sich daher negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Der Einfluss hängt dabei sehr vom Alter der Patientin, dem Wirkstoff im Medikament und der Dauer der Therapie ab. 1

Antihormonelle Therapie

Eine antihormonelle Therapie wird dann eingesetzt, wenn der Brustkrebs hormonrezeptorpositiv ist. Hormonrezeptorpositiv heißt, dass die Sexualhormone Östrogen und Progesteron den Tumor zum Wachstum anregen. Eine antihormonelle Therapie wird in der Regel nach einer Operation und/oder Chemotherapie angewendet. Sie kann aber auch parallel zu einer Strahlentherapie durchgeführt werden. Das Hauptziel der antihormonellen Therapie ist, die Konzentration und Wirkung von Östrogen und Progesteron so weit wie möglich zu senken. Dadurch soll das Risiko, dass der Krebs wiederkommt (Rezidiv), minimiert werden. Die antihormonelle Therapie ist sehr effektiv und sollte 5 bis 10 Jahre lang eingenommen werden. 3

Bei der antihormonellen Therapie werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Bei Patientinnen, die noch nicht in den Wechseljahren sind (prämenopausal), ist das Medikament Tamoxifen empfohlen. Tamoxifen verhindert eine Östrogenwirkung an Brustdrüsengewebe. Das erneute (östrogenabhängige) Wachstum eines Tumors (Rezidiv) kann dadurch sehr effektiv verhindert werden. Bei einem erhöhten Rückfallrisiko, beispielsweise bei Patientinnen unter 35 Jahren oder bei Lymphknotenbefall, sollte zusätzlich ein GnRH-Agonist gegeben werden, um die Funktion der Eierstöcke zu unterdrücken. GnRH steht für Gonadotropin-Releasing-Hormon. Durch das Medikament werden weniger Zyklushormone  (LH = luteinisierendes Hormon und FSH = follikelstimulierendes Hormon) und somit auch weniger Sexualhormone in den Eierstöcken produziert. Die Hinzunahme vom GnRH Agonisten dient sowohl dem Schutz des Gewebes als auch der Verstärkung der antihormonellen Therapie. 3

Wenn (prämenopausale) Patientinnen Tamoxifen nicht einnehmen können (z. B. durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zwingend eingenommen werden müssen oder einem hohen Thromboserisiko), kann auf einen Aromatasehemmer ausgewichen werden. Ein Aromatasehemmer verhindert die Produktion von Östrogen außerhalb der Eierstöcke (Östrogen wird nämlich auch aus Hormonvorstufen im z.B. Fettgewebe gebildet). Dadurch soll das Wachstum des Brustkrebses gehemmt werden, denn Östrogen ist sozusagen „Futter“ für Brustkrebs. Ein Aromatasehemmer muss immer in Kombination mit einem GnRH Agonisten eingenommen werden, weil ein Aromatasehemmer allein, die Produktion von Östrogen in den Eierstöcken erhöhen kann. Die GnRH Agonisten können die Funktion der Eierstöcke  vorübergehend ausschalten, d.h. in eine Art Ruhemodus versetzen. 3

Da diese Medikamente den Körper in einen wechseljahreähnlichen Zustand versetzen, können Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen auftreten. Es gibt nur wenige Daten darüber, wie sich Tamoxifen auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Eine schädliche Wirkung gilt nach aktuellem Stand der Wissenschaft als unwahrscheinlich. 6

Während du eine antihormonelle Therapie erhältst, solltest du besser nicht schwanger werden. Oft fällt die Behandlung jedoch in die Kinderwunschzeit und viele fragen sich, ob sie die Therapie nicht für eine Schwangerschaft unterbrechen können. Laut aktuellen Studien wird durch eine Therapieunterbrechung für maximal zwei Jahre das Risiko nicht größer, dass der Krebs wiederkommt.4,5 Auch das Risiko für Fehlgeburten oder Totgeburten scheint durch eine solche Unterbrechung nicht erhöht zu sein. Eine Therapieunterbrechung sollte jedoch erst dann gemacht werden, wenn Tamoxifen schon zwei Jahre lang genommen wurde.1 Nach dem Absetzen von Tamoxifen solltest du noch neun Monate warten, bis du schwanger wirst, damit der Wirkstoff auch komplett aus dem Körper raus ist und sich dein Hormonhaushalt eingependelt hat.2

Antikörpertherapie

Bei Antikörpertherapien werden spezielle Medikamente eingesetzt, die gezielt bestimmte Merkmale von Krebszellen bekämpfen sollen. Das bedeutet, dass sie z. B. Wachstumsmechanismen des Tumors hemmen oder das Immunsystem bei der Bekämpfung von Tumorzellen unterstützen. Bei einer Brustkrebserkrankung werden je nach Tumoreigenschaft und Fortschritt der Erkrankung verschiedene Antikörper eingesetzt. Die Einnahmedauer ist unterschiedlich.

Für die meisten Antikörpertherapien gibt es noch nicht genügend Daten für Empfehlungen, wie lange du nach der Therapie mit einer Schwangerschaft warten solltest.6 Besprich dich hier unbedingt mit deiner/deinem behandelnden Gynäkologin/Gynäkologen.



1 https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-082l_S2k_Fertilitaetserhaltung-bei-onkologischen-Therapien_2017-12-verlaengert.pdf abgerufen am 05.09.24

2 https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/chemotherapie.html abgerufen am 05.09.24

3 https://register.awmf.org/assets/guidelines/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf abgerufen am 05.09.24

4 https://www.aerzteblatt.de/archiv/235115/Brustkrebs-und-Kinderwunsch-Massnahmen-fuer-den-Erhalt-der-Fertilitaet-beruecksichtigen abgerufen am 05.09.24

5 Partridge AH, Niman SM, Ruggeri M et al (2021) Baseline characteristics of women enrolled in the POSITIVE trial (pregnancy outcome and safety of interrupting therapy for women with endocrine responsIVE breast cancer). Cancer Res 81(4 Suppl):Abstract nrPS12–17

6 https://www.gbg.de/fileadmin/Redaktion/News/2022-Loibl_Seiler_Forum_Schwangerschaft-und-Krebs.pdf abgerufen am 05.09.24